
Ein Influencer ist, ins Deutsche übersetzt, ein Beeinflusser, ein Einflüsterer. Das setzt voraus, dass es auf der einen Seite jemanden gibt, der beeinflussen oder einflüstern kann, und auf der anderen Seite jemanden, der beeinflussbar oder empfänglich für Einflüsterungen ist. Der eine spielt die aktive Rolle, der andere die passive. Der eine gibt etwas vor, der andere macht es nach. Aber funktioniert das wirklich so geistlos, so mechanisch? Ist das wirklich das Menschenbild, das wir kommunizieren wollen?
Die Rolle eines Beeinflussers besetze ich nicht von selbst. Ich muss etwas dafür tun, damit ich sie bekomme. Ich muss Dinge sagen, machen und kommunizieren, die anderen so gut gefallen, dass sie mich zum Vorbild erwählen. Das geht nicht von heute auf morgen, das braucht Zeit, das ist ein Entwicklungsprozess. Um als „Influencer“ zu gelten, muss ich das Talent haben, andere Menschen für mich und mein Leben zu begeistern, mit dem Resultat, dass die anderen Menschen so wie ich sein wollen oder zumindest ein wenig, dass sie das kaufen wollen, was ich trage, benutze oder in die Kamera halte, hören wollen, was ich höre, essen wollen, was ich esse, und verkünden wollen, was ich verkünde. Ich bin jetzt eine Art Vorbild.
Aber auch als Vorbild adressiere ich keine willenlose Sklaven, die ihren Verstand ausschalten und stupide das tun, was ich sage oder vorlebe. Die Menschen beschäftigen sich vielmehr mit mir, beobachten mich und entscheiden sich irgend wann dafür oder dagegen. Letztlich ist das ein bewusster Akt, eine getroffene Entscheidung. „Influencer“ können also gar nicht wirklich einflüstern oder unbewusst beeinflussen, weil sie an den bewussten Entscheidungen der Menschen gar nicht vorbei kommen. Sie können nur Vorbild-Sein, Entscheidungsfindung anstoßen, zur Meinungsbildung und Meinungsformung beizutragen.
Der Begriff Influencer untergräbt also unsere herausragende Existenz als (selbst-) bewusster, reflektierender Mensch. Bleiben wir doch lieber beim Begriff Meinungsbildner. Denn Meinungsbildner, Meinungsbilder-Marketing oder Meinungsbilder-Kommunikation sind eine viel bessere Alternative, sie heben hervor, dass es immer noch darum geht, eine Meinung zu bilden statt zu beeinflussen oder einzuflüstern. Das Menschliche zu respektieren und in dieser Weise zu kommunizieren – das sind Human Communications.
Solche und ähnliche Situationen kennt jeder, der in Agenturen oder Unternehmen arbeitet. Nicht umsonst steht in Marketing- oder Social Media-Umfragen der Ressourcenmangel seit Jahren an erster Stelle, wenn die aktuellen Herausforderungen benannt werden sollen. Leider wird sich das auch nicht ändern, da die Prozesse der Personalbeschaffung langwierig sind und eigentlich stets den aktuellen Personalbedürfnissen hinterher laufen.
Darum ist es ratsam, sich einen Pool externer Freelancer aufzubauen und sie in die Agentur oder in das Unternehmen so einzuarbeiten, dass sie als Teil des Teams agieren und blitzschnell definierte Projekte übernehmen können. Freelancer sollten viel Erfahrung mitbringen, ein breites Spektrum abdecken und mit einem Minimum an Einarbeitung ein Maximum an Ergebnissen erzielen. Die Kosten, die hierfür anfallen, sind letztlich geringer als die Ausgaben, die eine besetzte Personalstelle verursacht. Sie bringen jedoch einen außerordentlichen Flexibilitätsgewinn durch die Erweiterung der Kompetenz, die zusätzliche Arbeitskraft und die gewonnene Handlungsgeschwindigkeit.
Klar, es gibt auch andere Aufgaben wie Texte schreiben, Journalisten kontaktieren, Projekte organisieren und umsetzen. Das mache ich verlässlich seit mehr als 25 Jahren. Aber das wahre Glück auf Erden durchströmt mich beim Management von Veränderungen, von Changes, von Weiterentwicklungen.
Was mir am Begriff „Freelancer“ besonders gut gefällt, ist das Wort „Free“. Das klingt nach dem, was ich lange gesucht habe: Freiheit, Unbeschwertheit, Eigenverantwortung. Ist natürlich eine Illusion, klar. Tatsächlich hat laut Wikipedia Sir Walter Scott (1771–1832) das Wort zum ersten Mal verwendet. In seinem Roman Ivanhoe ist der Freelancer ein Söldner, den man mitsamt seiner Lanze (englisch lance; zu deutsch ‚Lanze‘) für Kämpfe mietet. Wie immer das jetzt auch zu interpretieren ist, ich freue mich auf die kommenden Zeiten und die Aufgaben, die auf mich warten. Und sollte mal nichts kommt, kann ich ja immer noch den Ivanhoe lesen.